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GESCHICHTEN

Die Geschichten werden ca.halbjährlich ergänzt und erneuert

 

Zuhören, Lauschen, Horchen
"Das Schlüsselwort für meinen Zugang zum geistlichen Leben heisst Horchen. Damit ist eine besondere Art des Horchens gemeint, ein Hinhorchen des Herzens.
Der transzendente Gott spricht in Natur und Geschichte. Das menschliche Herz ist dazu aufgerufen, zu horchen und zu antworten.
Wenn wir mit dem Herzen horchen, werden wir Sinn finden, denn so wie das Auge Licht wahrnimmt und das Ohr Geräusche, ist das Herz das Organ für Sinn."                  
David Steindl-Rast in "Achtsamkeit des Herzens", 2005

 

Der Retter hoch zu Ross

„Es wird einer kommen und Großes bewegen!“ So stand es geschrieben und die Menschen warten darauf, dass es eintritt, dass endlich der lang ersehnte Retter auf seinem hohen weißen Ross daher reitet und uns die Rettung bringt. Uns sagt, was wir zu tun haben. Doch dieser Retter wird nicht kommen, denn dieser Retter ist schon da. Er ist in jedem und jeder von uns, und es liegt an mir, diese innere Stimme in mir zu wecken! Sie gibt mir die Antworten, die ich brauche, doch fragen muss ich selbst! Niemand wird aufstehen für mich und für mein Recht kämpfen, wie es schon einmal geschehen ist. Ich habt es zu tun, sonst wird es niemand für mich tun! Wer, wenn nicht ich?

Die Menschen warten immer auf einen Retter, auf bessere Zeiten, harren aus in ihrem selbstgewählten Schicksal und sehen keinen Ausweg. Doch nur der mag den Lauf des Schicksals zu verändern, der glaubt und der Trübsal des Lebens keine übermäßige Bedeutung einräumt! Lasst nicht die Trübsal und die Schwermut euer Leben diktieren, sondern erwählt die Freude zu eurem neuen Herrscher! Ihr sollt Königin und König eurer Leben sein, und es soll für euch keine andere Regentschaft geben! Es liegt an euch, wen ihr zum Herrscher wählt! Ihr habt die Wahl, also wählt klug!

Der Sprecher des Volkes ist der, der für sich spricht, denn spricht er für sich, so spricht er für das Volk! Hört auf, für andere zu sprechen und über sie zu richten, und sprecht für euch und richtet euch euer Leben! Das ist es, was zählt für euch und nichts anderes soll es sein!
Was ist für mich so bedrückend bitte?
Miriam Newsfeed. : Freut euch eures Lebens und aller Nebel wird sich lüften! 

Marshall Rosenberg in Bethlehem
„Einmal präsentierte ich die gewaltfreie Kommunikation in einer Moschee im Flüchtlingslager Deheisha in Bethlehem vor etwa 170 palästinensischen, männlichen Moslems. Die Haltung der Palästinenser gegenüber Amerikanern war zu der Zeit nicht gerade freundlich. Während ich redete, merkte ich plötzlich, wie eine Welle gedämpfter Aufregung durch die Menge ging. "Sie flüstern, dass du Amerikaner bist!" warnte mich gerade mein Übersetzer, als ein Mann aus dem Publikum auf die Füsse sprang. Er sah mir direkt ins Gesicht und schrie aus vollem Hals, „Mörder!“ Augenblicklich fiel ein Dutzend Männer mit ihm in einen Chor ein, "Attentäter!", "Kinderkiller!", "Mörder!".

Auf meinem Weg in das Flüchtlingslager hatte ich mehrere leere Tränengaskanister gesehen, die in der Nacht zuvor in das Lager geschossen worden waren. Auf jedem Kanister stand deutlich lesbar die Aufschrift" Made in USA". Ich wusste, dass die Flüchtlinge viel Ärger gegen die Vereinigten Staaten aufgestaut hatten wegen der Versorgung Israels mit Tränengas und anderen Waffen. Ich sprach zu dem Mann, der Mörder zu mir gesagt hatte:

Ich: Ärgern Sie sich, weil Sie möchten, dass meine Regierung ihre Mittel anders einsetzt?

Er: Verdammt nochmal, ja, ich ärgere mich! Sie glauben, wir brauchen Tränengas? Wir brauchen eine Kanalisation und nicht euer Tränengas! Wir brauchen Wohnungen! Wir brauchen ein eigenes Land!

Ich: Sie sind also wütend und hätten gerne Unterstützung, um Ihre Lebensbedingungen zu verbessern und auch für Ihre politische Unabhängigkeit?

Er: Wissen Sie, wie es ist, hier 27 Jahre lang zu leben, so wie ich mit meiner Familie - Kindern und allem? Haben Sie auch nur den blassesten Schimmer, wie das die ganze Zeit für uns ist?

Ich: Das klingt so, als wären Sie sehr verzweifelt und würden sich fragen, ob ich oder jemand anders wirklich verstehen kann, wie es ist, unter solchen Bedingungen zu leben.

Er: Sie wollen das verstehen? Sagen Sie, haben Sie Kinder? Gehen die zur Schule? Haben sie Spielplätze? Mein Sohn ist krank! Er spielt in offenen Abwässern! In seiner Klasse gibt es keine Bücher! Haben Sie schon mal eine Schule gesehen, die keine Bücher hat?

Ich: Ich höre, wie weh es Ihnen tut, Ihre Kinder hier aufzuziehen; Sie möchten, dass ich verstehe, dass Sie wollen, was alle Eltern für ihre Kinder wollen eine gute Ausbildung, Möglichkeiten zum Spielen und in einer gesunden Umgebung aufwachsen ...

Er: Stimmt genau, die Grundbedingungen! Menschenrechte - nennt Ihr Amerikaner es nicht so? Warum kommen nicht mehr von euch hierher und schauen sich an, welche Art von Menschenrechten Ihr uns bringt!

Ich: Sie hätten gerne, dass sich mehr Amerikaner über das Ausmass des Leids hier klar werden und sich die Konsequenzen ihrer politischen Entscheidungen genauer überlegen?

Unser Dialog ging noch weiter; er brachte fast zwanzig Minuten lang seinen Schmerz zum Ausdruck, und ich hörte auf die Gefühle und Bedürfnisse hinter jeder Aussage. Sobald sich der Mann verstanden fühlte, konnte er mir zuhören, als ich den Grund meiner Anwesenheit im Lager erläuterte. Eine Stunde später lud mich derselbe Mann, der mich Mörder genannt hatte, zu einem Ramadan-Essen nach Hause ein.“

Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. S. 30f.

 

 

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