Siegfried Essen
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Sinn und Zweck der Dualität ist die Liebe (Siegfried Essen)

Therapie als Prozess des Überschreitens. Sinn und Zweck der Dualität ist die Liebe. [1]

Das Personale und das Transpersonale in der systemischen Therapie und die Spiritualität systemischen Denkens


Verbundenheit und Getrenntheit, die zwei Seiten unsere Natur

Die Postmoderne verkündet das Ende der großen Entwürfe, die Dekonstruktion der großen zusammenhängenden philosophischen Welterklärungen[2]. Und es ist etwas Wahres daran, nämlich dass alle Zusammenhänge nachträgliche Konstruktionen sind. Unsere Gedanken sind zunächst und ursprünglich zusammenhanglos wie Schnittblumen in einem bunten Blumenstrauß. Und solch ein Blumenstrauß kann sehr groß sein. Wir lernen das auch im Buddhismus.[3]

Unsere Wahrnehmung erst schafft den Zusammenhang. Wenn die Vase durchsichtig ist, können wir neben der Schönheit der Blumen auch ihre Getrenntheit sehen. Wen stört die Desillusionierung einer durchsichtigen Vase heute noch? Wer lässt sich die ästhetischen Erfahrungen eines Ganzen durch das Wissen von der Einzigartigkeit und Getrenntheit der Teile verderben? Der Sündenfall hat seinen Schrecken verloren. Verbundenheit und Getrenntheit, das Personale und das Transpersonale sind nicht mehr zwei Wirklichkeiten, die sich ausschließen, sondern die zwei Seiten unsere Natur. Wir erkennen so die Einheit in der Vielheit und die Vielheit in der Einheit.

Jeder große philosophische oder theologische Entwurf ist ein solches Arrangement aus einzelnen Gedanken, Vorstellungen und Bildern. Und die Kritik der Postmoderne weist vielleicht nur daraufhin, dass die meisten Autoren bisher bemüht waren, die Schnittstellen zu verbergen. (Oft sogar vor sich selbst.) Wir haben heute keinen Bedarf mehr, die Einzelheit unserer Gedanken zu verhüllen, um ihre Schönheit zu retten. Ihre Schönheit entfaltet sich auch ohne Zeit- und Raumkontinuität. Sie im Augenblick zu sehen und der Vergänglichkeit zu lassen macht sie nicht schlecht oder dumm. Sie bekommen dadurch nur den Platz, an den sie gehören, und werden nicht mehr aufgebauscht oder missbraucht.

Das entspricht nicht nur dem buddhistischen Wissen um die Diskontinuität unserer Gedanken, Handlungen und Wahrnehmungen usw., sondern auch der systemischen Einsicht, dass alles Gesagte (und Gedachte) von einem Beobachter gesagt wird, d. h. dass es einer Perspektive entstammt und nicht die Wirklichkeit darstellt. Die eigentliche Wirklichkeit, der große Zusammenhang ist unfassbar und unserer begrifflichen Wahrnehmungen nicht zugänglich. Wir können uns von ihr kein angemessenes Bild machen. Daher das Gebot, es auch nicht erst zu versuchen. [4] Unsere spürende Wahrnehmung dagegen, das nicht-begriffliche Gewahrsein trifft nicht auf Bilder, weil es auf nichts trifft. Es ist eins mit seinem Objekt. "Erkennender und Erkanntes sind hier eins." [5] "Dann versteht man die wahre Natur der Gedanken: dass sie nämlich nicht aus einander entstehen, sondern aus sich selbst." (S.214f) Loy zitiert in diesem Zusammenhang D.T. Suzukis Deutung von Prajna: "Man muss hier beachten, dass Prajna als etwas Promptes aufgefasst werden will, ohne dass ein Augenblick der Reflexion, der Analyse oder der Deutung dazwischentritt. Prajna wird daher oft mit einem Blitz oder einem Funken verglichen, dem man aus zwei Feuersteinen schlägt. >Prompt< bezieht sich hier nicht auf die Kürze einer Zeitspanne, sondern meint Unmittelbarkeit, das Unterlassen von Nachdenken, das Fehlen einer dazwischen tretenden Behauptung und das Vermeiden eines Fortschreitens von Prämissen zu Schlussfolgerungen." (S.215) Richard Baker-roshi sagt im oben angegebenen Aufsatz: „Ein korrektes Verständnis des Geistes geht .... nicht davon aus, dass der Geist irgendwie aus einem Stück ist, und selbst nicht davon, dass er ein zusammenhängendes, kongruentes Ganzes ist. Es gibt nicht nur einen einzigen Grund-Geist und nicht nur eine einzige Welt, die dazu da ist, von diesem Geist wahrgenommen zu werden. Solch eine Sichtweise würde der wahrgenommenen Welt die Annahme der 'Einheit' aufzwingen und wäre implizit eine theologische Sichtweise..... Eben diese Annahme, dieser religiöse Impuls, wird uns weit wegführen von der Welt, wie sie tatsächlich ist. Sie wird uns blind machen dafür, wie sich die Welt Moment für Moment auf einzigartige Weise entfaltet.... Mit dem Glauben an eine Einheit würden wir das bemerken, was Einheitlichkeit stützt, und wir würden die komplexe Gegensätzlichkeit der Welt übersehen. Die Welt übertrifft unser Bedürfnis, ihr Sinn zu geben... schaffe deine Vergangenheit, schaffe deine Zukunft. Aber mache, wenn du kannst, eine weise Geschichte daraus, eine Geschichte, in der du frei bist und in der das Ende offen ist." (S.14f)

Eine bessere Beschreibung der befreienden Struktur systemischer Therapie, sowohl in ihrer verbal-narrativen, als auch in ihrer weniger verbalen Aufstellungs-Form, kann es kaum geben. Auf diese Weise verwirklicht sich das Transpersonale im Personalen und nicht jenseits davon.

Ich will mich bemühen, in dieser Arbeit ohne den Zwang auszukommen, Zusammenhänge zu konstruieren, sodass wir (Schreiber und Leser) kreativer und spielerischer im Geist werden. Durch spielerische Distanzierung, wie es Kinder machen, werden wir der Sache gerechter, als durch zwanghafte Herstellung von scheinbarer Logik und Linearität. Nur Spiel und Ritual gebiert „heiligen Ernst“, wie es Huizinga gezeigt hat. [6] Dieser Gedanke ist auch für unsere Therapiepraxis wesentlich.

 

Eine Metapher und ihre vielfältigen Bedeutungsgebungen

Ein Mensch kam zu einem Bauwerk, an dem viele Arbeiter beschäftigt waren. Er fragte einen von ihnen, was er da tue, und bekam zur Antwort: "Ich behaue Steine." Er fragte einen anderen, und der sagte: "Ich verdiene hier mein Geld." Der dritte antwortete ihm: "Ich ernähre meine Familie." Und der vierte sagte: "Ich baue mit an einem Dom zur Ehre Gottes."

Diese kleine Parabel kann erzählt werden, um zu verdeutlichen, in welch unterschiedlichen Bewusstseinszuständen man seine Arbeit verrichten oder leben kann, mit der impliziten oder expliziten Anregung, diese Bewusstseinszustände hierarchisch zu bewerten und eine Entwicklung des Bewusstseins anzustreben, etwa von einem materialistischen über ein körperorientiertes, über ein altruistisches zu einem universell orientierten Bewusstsein. Eine detaillierte Beschreibung der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins finden Sie in den Büchern von Ken Wilber, und zwar in seiner Beschreibung von „Evolution“. Nach Wilber findet jeder Mensch in dieser Entwicklung letztendlich zu sich selbst wie zu Gott. Dies ist ein theologisches Modell, das sich in seiner Linearität an die großen Menschheitstraditionen anlehnt. Aber Wilber beschreibt auch die umgekehrte Entwicklung, die er „Involution“ nennt. [7] Der Geist offenbart sich in seinen Manifestationen: „Der erste Schritt in der manifestierten Welt ist GEIST, dann Seele, Geist, Körper, Materie - in dieser Reihenfolge. Das ist die große Kette des Seins." Nach Wilber kristallisiert sich der GEIST zuerst in archetypischen (kausalen) Formen, wie Liebe, ekstatisches Gewahrsein, Leuchten, Seligkeit, Klarheit usw., dann in mentalen Formen, Ideen und Konzepte, dann in emotionalen und sexuellen Energien und schließlich in Materie. Evolution wäre dann das, "was mit der Materie auf dem Weg zurück zum GEIST geschieht."

Aber wir sind nicht nur auf dem Weg "zurück zum GEIST", auf dem Weg der Heimkehr, wir sind auch immer auf dem Weg in die Materie, in die Fremde. Die Erforschung und Erfahrung der Form, der Materie, der Einzelheit und Einzigartigkeit ist genauso unsere Aufgabe, wie die Erforschung und Erfahrung der Leerheit, des GEISTES, der Einheit, bis beides sich durchdringt in Demut und Ebenbürtigkeit (unvermischt und ungetrennt). Ich sehe zwar auch ein zeitliches Hintereinander und damit eine Hierarchie beider Prozesse, erst die Trennung, dann die Wiedervereinigung, erst die Entfremdung, dann die Heimkehr wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk.15). Zumindest scheint das die näher liegende Perspektive zu sein, solange wir leben.

Das sind mythische Bilder, die Wirklichkeiten beschreiben, um die wir nicht herumkommen, solange wir in Zeit und Raum agieren und denken. Ich sehe aber auch eine paradoxe Verschränkung beider Bewegungen in jedem Lebensvollzug. Könnte es nicht sein, dass es genauso unsere Aufgabe ist, die Materie, den Leib zu heiligen, den Himmel auf die Erde zu bringen, wie es unsere Aufgabe ist, Gott oder den GEIST zu realisieren. Dabei müsste man natürlich sagen, dass es nicht nur um Erfüllung dieser Aufgaben geht, sondern um Bewusstwerdung. Und in diesem letzten Satz haben wir wieder beides: Hierarchie und Ebenbürtigkeit, Zeit und Zeitlosigkeit.

Innerhalb der religiösen Traditionen und ihrer populären Betonung der Aufwärtsbewegung findet sich auch das rekursive, also nicht-lineare Modell und zwar in ihren eher unpopulären, mystischen Strömungen, das der Evolution die Involution nicht nur gleichwertig gegenüberstellt, aber zeitlich nacheinander reiht, wie auch Wilber es tut, sondern Menschwerdung und Gottwerdung als ineinander verschränkte Prozesse sieht, das Ich und das Selbst als ebenbürtig und Materie und Geist paradox aufeinander bezogen wie Schöpfer und Geschöpf. In der Schöpfung erfährt und erfindet Gott sich selbst und nicht erst im Ergebnis. Für die Formulierung dieser paradoxen, nicht linearen Auffassung könnte in der säkularen, modernen Anthropologie und Psychologie das systemische Paradigma herangezogen werden. Unser Leben ist in jedem Augenblick Heimkehr und Erneuerung, Bewusstheit und Würdigung des Unbewussten, Offenbarung Gottes unter Wahrung seines Geheimnisses. So formuliert es Günter Mattitsch in seinem neuen Entwurf einer Entwicklungsgeschichte des Menschen: Wir realisieren alles sowohl im Erscheinenden als auch im Verborgenen und kommen so zur reifen Frucht unseres Daseins. [8]

Wenn man die uns seit Jahrhunderten gewohnte Hierarchie der Bewusstseinsinhalte einmal hinterfragt, kann man die oben erzählte Parabel auch anders verstehen. Dann sagt sie uns ganz einfach: „Schau, in welch unterschiedlichen Kontexten du dein Verhalten sehen kannst. Du kannst wählen. Deine Identifikationen sind Perspektiven deines Geistes und dein Geist ist frei, dich selbst, dein Denken, Fühlen und Handeln in diesen oder jenen Zusammenhang zu stellen, es so oder anders zu beschreiben, zu erklären und zu bewerten. Und du erschaffst damit jeweils eine andere Wirklichkeit, die natürlich auf dich zurückwirkt. Aber schieb nicht deine Bewertungen auf etwas außerhalb von dir. Übernimm selbst die Verantwortung.“ Wir haben damit entdeckt, dass die Ich-Funktion des Sich-Identifizierens eine freie, d.h. innengesteuerte kreative Möglichkeit des Menschen ist. Dies ist das Konzept der Autopoiese und der Stukturdeterminiertheit, das die systemische Therapie entscheidend mitgeprägt hat. [9]

 

Die zwei Arten von Gotteserfahrung: Einheitserfahrungen und Gegenübererfahrungen

Ich unterscheide zwei Arten von Transzendenz- oder Gotteserfahrung, die grundsätzlich nicht zu trennen und doch auch verschieden sind: Erfahrungen der Einheit und Erfahrungen der Begegnung, Erfahrungen der Verschmelzung und Gegenübererfahrungen [10]. Zu den Einheitserfahrungen gehört das Erleben von Leerheit, von Auflösung, von Entgrenzung, von Raum- und Zeit-Transzendenz. Zu den Gegenübererfahrungen gehört das Erleben von Form, von Angeschaut- und Gewürdigt werden, von Verkörperung und Materialisation, d. h. Geschöpflichkeit und schöpferischer Tätigkeit, die Würdigung von Schicksal, Personalität und Individuation, so wie auch Erfahrungen von Betroffenheit, Schmerz und Gericht.

Obwohl nur die erste Art der Gotteserfahrung üblicherweise als transpersonal bezeichnet wird, kann man doch unschwer einsehen, dass auch die zweite Art die Persongrenze überschreitet, nämlich indem sie Grenzen und Unterscheidungen ernst nimmt. Dies geschieht im Sinne von Begegnung und Ich-Du-Beziehung.

Diese zwei Weisen unserer Existenz werden im Herzsutra Leere und Form genannt, sie gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille und sind doch unterschieden. Die Kirchenväter sahen den neuen Menschen „Jesus Christus“ in dieser doppelten Natur als Gott und Mensch zugleich und bezeichneten die göttliche und die menschliche Seinsweise des neuen Menschen als „ungetrennt und unvermischt". Sie wollten mit dieser Formulierung zwei Gefahren entgehen, die es damals wie heute gibt, im Christentum und anderswo: Die Gefahr der Gnosis, d. h. der Abwertung des Irdischen und des Körperlichen und der Überbewertung des Geistigen und der Aufwärtsbewegung. Und die Gefahr des Materialismus, d.h. der Abwertung von Einheits- und Verbundenheitserfahrungen und der Überbewertung der Abwärtsbewegung. Um beide Seiten zu unterscheiden und doch auch ihre Zusammengehörigkeit zu betonen, nenne ich sie in meiner Praxis Ich und Selbst. Wie wir sehen werden, entsteht, wenn man diese beiden verkörpert, -und nur diese beiden-, immer die gleiche Aufgabe, der gleiche Prozess, nämlich ein Ganzes zu werden: ungetrennt und doch auch unvermischt. Und dies wird total konkret und individuell realisiert.

 

Eine Ich-Selbst-Aufstellung [11]

Wir trennen ja in jeder Aufstellungsarbeit, was allerengstens zusammengehört, seien es die Teile eines Familiensystems, eines Körpers oder eben das Ich und das Selbst. Aufstellen ist, als ob man Trennung schafft, um Verbundenheit zu erleben. Was  passiert nun, wenn man in einer Art Metaaufstellung diese beiden Vorgänge aufstellt: Das Trennen und das Verbinden. Das Ich und das Selbst sind für mich vorläufige Namen für unsere Getrenntheit und unsere Verbundenheit. Vielleicht die zwei elementaren Vorgänge in uns, deren Zusammenspiel alles enthält, was menschliche Existenz beinhaltet.

Maria sucht Ingeborg für ihr Selbst und Sylvia für ihr Ich aus. Kaum aufgestellt und von mir dazu ermutigt, sich einen guten Platz im Ganzen zu suchen, drückt sich das Ich in eine Ecke des Raumes. Das Selbst steht in der Mitte. „Wo sonst?“ denke ich als Zuschauer, neugierig und belustigt zugleich.

Niemand weiß, wie es weitergeht. Klar ist nur, dass Marias Ich-Selbst zusammengehört. Es gibt auch keine eindeutige Zielvorstellung, nur die Anweisung für beide: „Such dir deinen guten Platz im Ganzen, und sei frei.“

Das Ich hält die Hände vors Gesicht, schaut weg. Das Selbst macht ein paar Schritte auf das Ich zu. Dieses krümmt sich noch mehr in eine Ecke des Raumes und flüstert fast unhörbar: "Komm mir nicht zu nahe." Das Selbst weicht zurück auf seinen Mittelpunkt. Das Ich geht zu Boden. Es braucht eine Ewigkeit, bis es sich wieder rührt. Auch das Selbst lässt sich auf dem Boden nieder und wird ganz still. Offenbar merkt das das Ich und wendet sich langsam dem Raum und dem Selbst wieder zu. Auf allen Vieren und millimeterweise, das Selbst nicht aus den Augen lassend, kriecht das Ich auf das Selbst zu. Wir halten den Atem an. Das Selbst schaut freundlich, wendet aber den Kopf hin und wieder vom Ich weg und beginnt sich mit sich selbst zu beschäftigen. Plötzlich ruft das Ich, offenbar in höchster Not: „Ich halt das nicht mehr aus. Ich will hin. Aber es wird mir zu heiß..... Ich halte dich nicht aus,.... aber ich muss hin.“ Das Ich wirft einen Überhang weg und bewegt sich wie in Hypnose weiter auf das Selbst zu.

Das Selbst aber, zu meinem blanken Therapeuten-Entsetzen, schneidet Grimassen und macht Faxen. Vor Schreck fällt mir nichts ein, was ich tun könnte. Vielleicht auch verhindern unsere vereinten Schutzengel, dass ich mich einmische. Plötzlich auf halbem Wege zeigt auch das Ich dem Selbst eine lange Nase und schneidet Grimassen, dabei bewegt es sich aber weiter auf das Selbst zu. Das Selbst bleibt einfach sitzen.

Jetzt sitzen sie sich gegenüber und schauen sich ernst und offen in die Augen. Im Zuschauerraum ist es sehr still. Sie sind auf gleicher Höhe. Sie sind gleich. Das Selbst berührt mit einer Hand das Knie des Ich. Das Ich berührt mit einer Hand das Knie des Selbst. Beide Hände finden den Körper des Gegenübers. Die Hände des Ich wandern zu den Schultern des Selbst. Die Arme des Selbst umfangen das Ich. Sie umarmen sich. Aus meiner Perspektive kann ich nur die Hände des Ich beobachten: Seine linke Hand hält das Selbst fest, die rechte legt sich immer wieder liebevoll und mit der ganzen Handfläche auf den Rücken des Selbst, hält und lässt los, hält und lässt los. Das ist Gegenwärtigkeit, das ist Begegnung, das ist Sehnsucht pur. Vielen von uns kommen die Tränen. Es dauert lange. Dann stehen beide gleichzeitig auf, trennen sich, stehen nebeneinander und beginnen sich umzuschauen. Ihre Gesichter sind weich und strahlend.

Es wird klar, dass dieser Prozess für den Augenblick vollendet ist. Ich bitte Maria aufzustehen und sich auf den Platz des Ich zu begeben und sich die Ich-Wirklichkeit im Spüren und im Schauen einzuverleiben. Nach einer Zeit bitte ich sie, dasselbe auf dem Platz des Selbst zu tun und dann mit dem Kopf zu nicken, wenn sie bereit ist, das Vermächtnis des Ich zu hören. Danach nimmt sie wieder den Platz des Ich ein und hört sich das Vermächtnis des Selbst an.

 

Der Furcht ins Auge blicken, aber der Sehnsucht folgen.

Die Angst vor der Unendlichkeit und gleichzeitig die Sehnsucht nach ihr, ist das nur Marias Problem? Haben nicht die meisten Menschen entschieden, zu glauben, dass uns die Auflösung bevorsteht, wenn wir dem Tod und der Unendlichkeit begegnen? Wir speisen aus diesem Glauben unsere Existenzangst.

Was ist aber, wenn Unendlichkeit und Endlichkeit zusammengehören, wenn Schöpfer und Schöpfung einander bedingen und brauchen, wie Ich und Selbst, statt dass das Eine das Andere verschlingt? Was ist, wenn es, wie in dieser Aufstellung, für unser Ich, unsere endliche Form, immer darum ginge, der Furcht ins Auge zu blicken und der Sehnsucht, aber nicht der Furcht zu folgen, sondern der Sehnsucht, und das volle Risiko der Auflösung, des Verbrennens auf sich zu nehmen? Und irgendwie geschieht das Vergehen des Ich wirklich, aber ebenso wirklich ist auch das Geschenk des körperlichen Erlebens von Begegnung und Liebe. Und die Entdeckung, dass der strafende oder verschlingende Gott eine Lüge ist.

Und noch eine ewige Wahrheit leuchtet in jeder Aufstellungsarbeit auf, nämlich dass wir in Beziehung leben, ja, dass wir Beziehung sind. Wir sind Schnittpunkte von Begegnung. Eine isolierte Existenz gibt es nicht, ist eine Konstruktion unseres Geistes. Und doch sind wir nicht abhängig voneinander, sondern im holistischen Sinn auch allein schon immer, was wir sind, und brauchen niemand anderen dazu, d.h.: wir sind nicht bedürftig, sondern immer selbstverantwortlich und schöpferisch aus uns heraus. Nach jeder miterlebten Aufstellung sind wir in diesem Sinne etwas freier und zugleich auch etwas demütiger.

Sylvia, die das Ich gespielt hat, schrieb mir ein paar Wochen später die folgenden Zeilen:

„Ich schildere dir den für mich wichtigsten Teil in meiner Rolle als Ich: Der Weg zum Selbst bestand aus sehr vielen inneren Kämpfen. Die Albernheit, ja Leichtigkeit des Selbst war für mich peinlich, abstoßend, gefährlich und faszinierend zugleich. Aus der Angst wurde Trauer, denn ich erkannte meinen verleugneten Anteil in diesem Grimassenspiel. Die mahnende Vorsicht stand wie eine Wand zwischen uns, und erst als ich im Hintergrund deine Stimme wahrnahm, die mich daran erinnerte, völlig frei in meiner Entscheidung zu sein, dachte ich: Jetzt oder nie, zurück kann ich ja immer noch.

Von da an schien ich zum Selbst geführt zu werden. Das Gedanken-Karussell blieb einfach stehen, es gab weder Raum noch Zeit. Glückseligkeit durchflutete mich und es gab nur ein Ziel....... Weißt du, diese Rolle übernehmen zu dürfen, war für mich ein himmlisches Geschenk, denn noch nie zuvor war die Erfahrung des Geführt-Werdens so intensiv für mich.“

 

Freisein ist Geführtsein, Geführtsein ist Freisein

Es ist paradox: Die Erlaubnis der Freiheit führt nach Innen, wirft mich auf mich selbst zurück, und das Horchen nach innen, das Gehorchen erzeugt die Erfahrung des Geführtseins. Freisein ist Geführtsein, Geführtsein ist Freisein, nicht in der Theorie, aber in der konkreten Erfahrung einer authentisch gespielten Rolle. Der Himmel ist kein Ort, sondern ein Erleben. Ich habe eine Aufgabe im Ganzen. Ich spiele für das Ganze eine Rolle. Es geht nicht um den Sieg des Selbst und den Untergang des Ich, sondern um das Erleben von Kongruenz und Einheit beider, die Einheit von Freiheit und Hingabe, von Agens und Kommunio, wie Ken Wilber sagt.

Dieses Übereinstimmen beider wird als Freude oder Glück erlebt, als Stille oder Leersein, als Auflösung oder als Einfachheit, als Liebe oder als Kraft. Eine solche Erfahrung ist immer nährend. Mein Zen-Lehrer Richard Baker-roshi hat neulich gesagt: „Sorgt dafür, dass alles, was ihr tut, nährend ist.“ Jede Rolle ist für mich inzwischen, wie Sylvia formuliert hat, „ein himmlisches Geschenk“, und das nicht nur in der Aufstellungsarbeit. Aber in der Aufstellungsarbeit ist es besonders leicht, sich „die Freiheit der Kinder Gottes“ (Rm. 8,21) zu erlauben. Ich vermute, weil wir da fremde Rollen übernehmen und uns deshalb weniger unserer Identität verpflichtet fühlen, oder einfacher ausgedrückt: uns nicht so wichtig nehmen. Das ist Spiel und höchster Ernst zugleich. [12]

 

Das Ganze wirkt auf das Einzelne und das Einzelne wirkt auf das Ganze.

Systemisches Denken wurzelte von Anfang an in der Erkenntnis, dass der Beziehungsaspekt für unsere Kommunikation und damit für unser Wesen als Menschen wichtiger ist als der Inhaltsaspekt, dass die Unterschiede elementarer sind als die Phänomene. Wir sind Knotenpunkte im Netz verschiedener Systeme und Ganzheiten. Wir sind Unterschiede, die einen Unterschied machen. (Bateson) Unsere Seele ist nicht in uns, sondern zwischen uns. (Buber) Systemische Therapie konzentriert sich infolgedessen weniger auf semantische als vielmehr auf syntaktische Informationen, auf Unterschiede, Bewegungen und Beziehungen. Wir können verstehen, wie Steve de Shazer sagt, was besser ist, ohne wissen zu müssen, was gut heißt.

Systemische Therapie konzentriert sich damit auf das Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen, sei es das Verhältnis eines Organs zum ganzen Organismus, einer Person zum Ganzen einer Familie, einer Institution oder Organisation, der Gesellschaft, des Universums usw. Dies Verhältnis ist immer rekursiv, d. h. das Ganze wirkt auf das Einzelne und das Einzelne wirkt auf das Ganze. Daher auch unsere Verantwortung, denn was wir für uns tun, tun wir für das Ganze. Das eigene Glück ist die Garantie für den Wandel im Ganzen. Das bedeutet, dass dies Verhältnis immer ein Geschehen ist, das sich in zweierlei Prozessen vollzieht, als Verbindung und als Trennung, als Bezogenheit und als Individuation, als Zusammenhang und als Grenze, als Einheit und als Begegnung, als Leere und als Form. “Unterschiede sind elementarer als absolute Werte“. (Matthias Varga von Kibéd, mdl.) Das Wesen der Welt ist Wandel. Das Wesen Gottes ist Überraschung. Und da wir Gott und Welt in uns haben, sind auch wir beides – überraschend und wandelhaft. Wenn wir das begriffen haben, sind wir frei.

 

Leiden und Heilung

Ganz allgemein könnte man Leiden definieren, als Nichtbegreifen dieses Verhältnisses durch anhaltende, bzw. zwanghafte Vermischung beider Bewegungen oder durch ihre anhaltende, bzw. zwanghafte Trennung. Und heilend oder befreiend wirkt dann je nach vorliegendem Leidensmuster entweder die Trennung und Unterscheidung des Vermengten, oder das Gegenteil davon, die Verbindung des Getrennten, entweder das Einstimmen in die Abwärtsbewegung, die Inkarnation oder das Einstimmen in die Aufwärtsbewegung, in die Evolution, je nachdem was man vorher abgewehrt hat. Und dies jeweils ganz konkret bezogen auf die redundanten Muster der verantwortlichen Person, die in eine Abwertung oder Verdrängung, bzw. in eine Überbewertung und Idealisierung einer der beiden Bewegungen geraten ist. Für systemische Therapeuten ist es unerheblich, wie diese Muster entstanden sind. Wichtiger ist ihre Unterbrechung in der Gegenwart und die Rückführung des Bewusstseins in die Demut der Zirkularität eines jeden menschlichen Vollzuges.

„Den Platz im Ganzen finden“, so nenne ich manche meiner Seminare. Systemische Therapie vollzieht sowohl das Recht auf Zugehörigkeit als auch die Würdigung der Person und des Schicksals des Einzelnen. Wir könnten auch Nichtgetrenntheit trotz Unterschiedenheit dafür sagen. Beide menschlichen Wirklichkeiten sind paradox aufeinander bezogen. Sie sind in gewisser Weise ebenbürtig und doch auch hierarchisch geordnet. Die zentrale Einsicht im Christentum und im Buddhismus ist meines Erachtens, dass alle Getrenntheit in der Nichtgetrenntheit aufgehoben ist.

Wie gelangt man zu dieser Einsicht, wie gelangt man zum Vertrauen? Indem man seine Anhaftungen, Identifikationen und Verstrickungen, - so nennen wir unsere redundanter Muster -, als selbstgemacht und als Irrtümer durchschaut, Dankbarkeit für deren Wirken im ursprünglichen Zusammenhang ausdrückt und sie dann verabschiedet. Nichts anderes tun wir in der systemischen Arbeit. Indem wir z. B. durch Aufstellung oder Externalisierung, verbal und nonverbal das Zusammengehörige trennen, das Ganze in Teilen repräsentieren, tritt die paradoxe Spannung des Lebens in Erscheinung. Das sprengt selbstschöpferisch alle Fesseln, die sich eingeschlichen haben. Nicht erst die Repräsentation des Ausgeschlossenen ist der Coup systemischer Arbeit, sondern schon die einfache Unterscheidung der Teile einer Ganzheit und das freie Spiel damit, als wäre die unsichtbare Zusammengehörigkeit das Selbstverständlichste und Verlässlichste von der Welt.

„Draw a distinction“, (triff eine Unterscheidung), so lautet die erste Handlungsanweisung in Spencer-Brown’s Buch: „Laws of Form“, in dem er sich mit dem Zusammenhang von Leere und Form beschäftigt. [13] Das Buch beginnt mit dem merkwürdigen und äußerst paradoxen Satz: „Distinction is perfekt continence“ (S.1). Man kann diesen Satz übersetzen: „Unterscheidung ist vollzogener Zusammenhang“, oder: „Unterscheidung ist vollkommener Zusammenhang“. Leere ist Form, Form ist Leere. Ich und Selbst sind unterschieden, aber nicht getrennt. ICH bin das SELBST in Aktion.

Ohne Unterscheidung, so Spencer-Brown, kann man auf nichts hinweisen. Die Ganzheit deutet und erfährt sich selbst im Spiel der Unterscheidungen. Meister Eckhart: „Die Seele wirft ein Bild aus sich heraus, um sich darin zu erfahren.“ Das Selbst erfährt sich in seiner Verkörperung, dem Ich. In der materiellen Schöpfung wird sich Gott seiner selbst bewusst. Das ist Praxis der Unterscheidung. Etwas ganz anderes als der lähmende und leiderzeugende Glaube an die Getrenntheit.

Also wirkt Aufstellungsarbeit durch ihre autopoietische Tiefenstruktur nicht nur heilend, sondern auch bewusstseinserweiternd.

 

Einheitserfahrung und Gegenübererfahrung

Im Mai 2004, am Ende eines Curriculums über spirituell systemische Aufstellungsarbeit, als die Anliegen der Gruppenmitglieder aus Leidens- oder Problemdruck wenigstens vorübergehend erschöpft waren, haben wir uns den Luxus erlaubt, mit der Technik autopoietischer Aufstellungsarbeit Fragestellungen von philosophischem oder transpersonalem Interesse aufzustellen. Und wie wir sehen werden, haben wir daraus für alle Beteiligten den höchsten Gewinn gezogen.

Mein eigenes Anliegen dabei war, die beiden Formen der Gottes- oder Transzendenzerfahrung gegenüberzustellen: die Einheitserfahrung und die Gegenübererfahrung, Verschmelzung und Begegnung, Leere und Form. Meine Frage: Gibt es da eine Hierarchie in dem Sinne, dass nämlich die Einheitserfahrung das Höchste und Letzte ist und alle Gegenübererfahrung in sich aufsaugt? Dass es um Verschmelzung und Einswerden geht und sich dabei alle Dualität, alle Materialität und alle Begrifflichkeit auflöst. Oder gibt es eine Art Gleichwertigkeit zwischen beiden Prozessen in uns, wie ich das in meinen Ich-Selbst-Aufstellungen immer wieder erlebe. Andererseits weiß ich, dass es sowohl im Christentum als auch im Buddhismus Strömungen gibt und immer gegeben hat, die den Erfahrungsmodus der Einheit höher bewertet haben, als auch Strömungen, die die Gegenübererfahrungen, die Begegnung im unmittelbarem Gewahrsein, die Ich-Du-, bzw. Liebes- Erfahrungen für den tiefsten Sinn des Lebens und des Sterbens halten.

Ist das Ziel der Evolution und unseres Lebens die Auflösung im Transzendenten? („Auf dass Gott werde alles in allem.“ 1.Kor.15,28) Aber wozu dann die Schöpfung? Oder ist das Ziel die Entfaltung des Lebens? Aber wozu dann der Tod?

Aber genug der Theorien oder Theologien, die ja immer Verallgemeinerungen existenzieller Fragen darstellen. Vielmehr will ich jetzt von einer konkreten Aufstellung berichten, bei der ich zwei Repräsentanten auswählte, eine Frau für die Verschmelzung, und einen Mann für die Begegnung. Ich stellte erst die Frau in den Raum und in einem Abstand von drei bis vier Metern vor sie und mit dem Rücken zu ihr, den Mann. Dies geschah wie bei Aufstellungsarbeiten üblich intuitiv, d.h. ich hatte und habe keine rationale Begründung für diese spezielle Form der Aufstellung.

 

Eine autopoietische Aufstellungsarbeit

Die Methode der Aufstellungsarbeit, die in dieser Fortbildungsgruppe gelehrt und geübt wurde, ist die autopoietische Aufstellungsarbeit, die ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben habe. [14] Kurz gesagt besteht sie in zwei Interventionen, die direkt nach der Aufstellung vom Aufstellungsleiter ausgesprochen werden: "Such dir einen guten Platz im Ganzen." Und: "Sei frei!" Woraufhin die Personen, die die Gesamtheit eines Systems darstellen, ihr Wesen bzw. ihre Bedeutung für das Ganze durch Versuch und Irrtum selbstschöpferisch finden und erfinden. Also geht es nicht nur um Unterscheidung, sondern auch um Schöpfung. Dies geschieht durch Bewegung und Ruhe, durch Hinschauen und Wegschauen, durch Berührung und Loslassen, durch Fragen und Antworten und in ständiger Erinnerung an die Freiheit jedes Einzelnen von Seiten des Leiters.

Dadurch wird die Repräsentation in einer Aufstellung zum Paradigma für das Leben selbst: indem ich meine Freiheit lebe, d. h. mich immer mehr frei mache von Zwängen, Regeln, Glaubens- und Überich-Sätzen, Dogmen usw. spüre ich immer mehr nach innen, horche ich immer mehr auf den Augenblick, achte ich immer mehr auf den gegenwärtigen Kontext. Man könnte es auch Training in Selbstwert und Intuition nennen. Dabei werden alle wirklich wichtigen Schritte und Erkenntnisse zu leiblichen Erfahrungen. Erkenntnis und Bewusstsein bekommen in der szenischen Arbeit (damit meine ich alles Szenische, vom Bibliodrama über Theater bis zur Aufstellungsarbeit) die Form leiblichen Verstehens. Dies ist Erkenntnis im biblischen Sinne, eine Gegenübererfahrungen der Wirklichkeit.

Nach den zwei Instruktionen dreht sich der Mann, mit dem vorläufigen Namen "Begegnung" sofort um und geht langsam auf die Frau mit dem Namen "Verschmelzung" zu. Sie schauen einander in die Augen, lange und unverwandt, ineinander versunken. Sie berühren einander mit den Händen. Ihre Blicke lassen nicht mehr los voneinander. Es ist sehr still im Raum. Überall Gewahrsein und Wachheit. Ich selbst verstehe augenblicklich und ganzkörperlich, was gespielt wird. Auf einmal ist alles klar und selbstverständlich: beide Vorgänge geschehen gleichzeitig, Verschmelzung und Begegnung gehören zusammen, sind ungetrennten und unvermischt. "Form ist Leere, Leere ist Form". In jedem Augenblick geschieht beides. Am deutlichsten in jedem Augen-Blick.

Ich habe danach den Mann gebeten, zur Frau zu sagen: "Ich werde sterben!" Die Frau antwortete nur mit einem Lächeln. Und erst nach ein paar Sekunden sagte sie: „Ja!  ....   Und?"

Wir haben verstanden. Auch der Tod ändert nichts an der Ewigkeit beider Erfahrungen. [15]

Verbundenheit und Dualität gehören zusammen. Ja, man könnte sagen: Sinn und Zweck der Dualität ist die Liebe.

Die Entzweiung löst sich nicht auf, sondern wird genauso transzendiert wie der Begriff der Einheit. Alle uns widerfahrene Trennung, Sünde, Schmerz und Leid werden als zugehörig erkannt und vom Geist durchdrungen. Die Entzweiung ist nicht mehr Entzweiung. Das Böse ist aufgehoben im Schöpfungsspiel. In dieser Einstellung hat uns alles, jeder Schicksalsschlag und jede eigene Tat, alles Tiefe und alles Hohe zum Guten gedient. Höhen und Tiefen des Lebens werden nicht nivelliert, Gut und Böse werden nicht gleichgemacht, sondern Unterschiede und Dualität bleiben, aber werden anders gesehen: als die andauernde Entfaltung, Schönheit und Selbstschöpfung Gottes.

Das Personale wird gemeinsam mit dem Transpersonalen neu definiert. Überhaupt werden im Geist Gottes, - das ist ein anderer Name für Wilbers "Auge der Kontemplation",- alle Begriffe, die früher als unüberbrückbare Dualität erschienen, neu definiert, beispielsweise als zwei Seiten einer Medaille oder als Auf- und Abwärtsbewegung eines Kreis- oder Spiralprozesses.

 

Anhaftung und Befreiung

Ich will versuchen, dies am Beispiel von Personalität und Transpersonalität deutlich werden zu lassen. Im Leiden verursachenden Denken definiert sich der Mensch mit bestimmten Eigenschaften als Person. Buddhisten nennen das Anhaftungen, Systemiker nennen es Muster. Beiden Begriffen ist gemeinsam: Redundanz, Fixierung, Zwang, Unfreiheit. Das Ich ist dabei nicht mehr Herr seiner Eigenschaften, sondern bildet sich nur ein, sie zu besitzen. In Wahrheit ist es aber von ihnen besessen. Unsere Sozialisation lehrt uns diese einschränkenden Muster, Konditionierungen und Glaubenssätze, denn durch diese „Besessenheiten“ sind wir besser kontrollierbar, das heißt, das Kollektiv ist an unserer Unfreiheit interessiert. Diese Ich-Aspekte, die der Unfreiheit unterliegen, sollte man vom freien selbstbestimmten Ich unterscheiden. Vielleicht passt die Bezeichnung „Ego“ besser  für die Summe der Konstruktionen unserer Unfreiheit, die Persönlichkeit, mit allen ihren Eigenschaften und Identifikationen. Und das „Ich“ wäre dann die freie Mitte der Person, über alle seine erworbenen Eigenschaften und Fähigkeiten frei verfügend. Ein Zentrum selbstbestimmter Hingabe an die Gegenwart im jeweiligen Kontext, an das Leben.

 

 

Skizze: Selbst-Mitte- Persönlichkeit

 

Das heißt nun, es geht beim Heilungsgeschehen immer um Befreiung. Befreiung geschieht dabei niemals durch Abwertung oder gar Elimination, sondern immer durch Um- oder Neubewertung, durch Aufhebung im Hegelschen Sinn oder durch Transzendenz.

Person ist in diesem neuen Begreifen ein Wesen, "das sich selber weiß, dass also über ein Bewusstsein seiner selbst verfügt. Als solches kann sie sich im Freiheit durch Vernunft zum Handeln bestimmen und so zur Mitwelt in Beziehung treten, in der sie das eigene So- und Dasein zielgerichtet gestaltet.....Der Theologe Karl Rahner sieht in "Person" die zu sich selbst gekommene Unendlichkeit.“ [16] So etwa könnte ein Personbegriff ausschauen, der sich nicht im Transpersonalen auflöst, aber auch keine illusionäre Kontinuität, Substanzhaftigkeit oder gar Zwanghaftigkeit aufweist. Dies wäre ein neuer Personbegriff, frei und als Schnittpunkt von Ich-Du Beziehungen. Kein substanzhaftes Ding, sondern leere, dimensionslose Mitte. Alles Dingliche, Verdinglichte, Verdingte muss die Sterblichkeit annehmen, damit darin ein neues freies Ich entstehen kann.

Natürlich wird damit auch das Transpersonale neu definiert als dynamisch und nicht in sich abgeschlossen, als ohne Bedürfnis und doch bezogen, als vollkommen und doch in Mitgefühl und Liebe. Form gehört zur Leere, Leere gehört zur Form. In jedem Augen-Blick ist beides vorhanden. Theoretisch nicht fassbar, aber in der Praxis nicht anders vollziehbar. Bewusstsein funktioniert nicht anders.

Wie könnte man sich dann das neu definierte Transpersonale vorstellen? Vielleicht als das Pulsieren der sich ausweitenden Seele um die leere Mitte herum. Und Meditation wäre dann die reine nicht abwertende Aufmerksamkeit des transpersonalen Zeugen für die konkrete gegenwärtige Form des Individuums. In einer Ich-Selbst-Aufstellung geschieht dieses.

 

Ich atme und werde geatmet.

Ich setze meine Beschreibung der Ich-Selbst-Aufstellung Marias hier fort. Sie schrieb mir das Folgende auf meine Bitte hin, ohne meine oder irgendeine der anderen Beschreibungen zu kennen. Ich zitiere wieder wörtlich:

„Ängstlich und trotzig hocke ich zusammengekauert im hintersten Winkel meiner Höhle. Ich fühle mich ungeliebt, abgeschoben, zurückgestoßen, ausgeklammert, nicht gut genug. Ich bin nicht würdig, im Fluss des Lebens mich zu erfreuen. Alle anderen dürfen es. Ich bin gestrandet und sehe den anderen zu. Gerne würde ich auch mit dabei sein, so sein wie sie. Chaotische Wellengänge von Resignation, Wut, Trauer, Angst, Verzweiflung, Ohnmacht und Selbstablehnung durchziehen mein ganzes Sein. Eine dicke Eisschicht hält mich zusammen.

Plötzlich vernehme ich einen unüberhörbaren Klang in meinem Inneren. Er unterscheidet sich deutlich von allen anderen Geräuschen in mir. Er klopft nochmals an. Er beginnt sich zu bewegen, und ich bewege mich - heraus aus dieser Höhle. Auf allen Vieren taste ich mich vorwärts. "Darf ich das eigentlich?", kommt es aus meinem Hinterkopf. Im selben Moment schiebt es mich noch weiter vorwärts. Zweifel verwandelt sich in unbeschreibliche Lust. Die Spannung steigt, der Atem stockt für einen Moment - aber jetzt - jetzt kann ich es vernehmen.

Zwei Arme breiten sich vor mir aus, zwei Augen sehen in meine Augen, ein Willkommensgruß berührt mein Herz, bedingungslos öffnet sich ein Schoß, ich tauche ein und versinke in der Tiefe einer unendlichen Geborgenheit. Behütet und genährt spüre ich den Atem der Erde, zwei Hände halten mich bergend und beschützend, tiefste Berührung durchpulst mich. Ich atme und werde geatmet, ich berühre und werde berührt, ich verstehe und werde verstanden, ich öffne mich ganz. Alle Grenzen schmelzen, alle Unterschiede heben sich auf - nun wird es noch mehr - ich kann es kaum fassen - ich richte mich auf - kosmisch göttlicher Strom durchflutet mich und lässt mich eins werden, ganz werden. ICH UND DU - HIMMEL UND ERDE -wunderbar!“

Wenn man bedenkt, dass Maria diese Beschreibung formuliert hat, ohne mit mir oder irgend einer Repräsentantin darüber gesprochen zu haben oder unsere Berichte gelesen zu haben, so fällt die hohe Übereinstimmung in der Wahrnehmung der tiefen inneren Prozesse zwischen der Protagonistin Maria, die diesen Vorgang ja nur von außen gesehen hat, und beiden Repräsentantinnen auf.

Das Phänomen der sog. repräsentierenden Wahrnehmung ist viel untersucht worden hinsichtlich der Wahrnehmung der RepräsentantIn. Ebenso erstaunlich ist die Wahrnehmungsleistung der ProtagonistIn. Alle mir bekannten Erklärungsversuche, auch die von einem wissenden oder morphogenetischen Feld, gehen auf ein lineares Sender-Medium-Empfänger-Modell zurück und ignorieren damit die Wirklichkeit des Selbst, Verbundenheit und Synchronizität. Was aber, wenn unsere Wirklichkeit Getrenntheit und Verbundenheit ist? Mit der Einführung eines Mediums schaffen wir die Trennung von Sender und Empfänger, Kausalität und lineares Denken. Aber müssen wir damit unsere fundamentale Einheit gleich leugnen? „Es geht um das Erwachen zu beiden Seiten unserer Natur“, sagt Ama Samy, ein Zen-Lehrer und Christ aus Indien, „der Form und der Leere.“ (mdl. 2003)

Das Einzige, was uns trennt, ist das analysierende Denken. Der Himmel auf Erden, das ist die Einheit von Ich und Selbst, von Form und Leerheit, ist reine Erfahrung und kann nicht angemessen (nur poetisch) mit Worten beschrieben, erklärt oder gar analysiert werden, daher kann auch die autopoietische Aufstellung als Verkörperung des Jetzt-Seienden beschrieben werden. Was ist, ist jetzt und hier. So wird Therapie zum Spiel, zum AUGENBLICK, und Sprache wird nur mehr zum vermittelnden „energietragenden“ Element –zur Brücke und zum Hilfsmittel-, um den Menschen zur eigentlichen Erfahrung zu ermutigen und darin zu bestätigen. Was heilt und heiligt ist nichts anderes als die Erlaubnis, das zu sein, was wir augenblicklich sind, und damit wird Befreiung selbstverständlich.

 

Ist nonduales Denken wissenschaftsfähig?

Ich bin in meinem bisherigen Leben und Denken (unbewusst, was keine Entschuldigung ist) viel zu oft davon ausgegangen, dass die Wahrheit des Einsseins nicht wissenschaftsfähig ist: nonduales Denken, nichtbegriffliches, spürendes Wahrnehmen oder die Annahme von Synchronizität und Nicht-Lokalität.

Die Forscher-Gruppe um Anton Zeilinger hat kürzlich experimentell gezeigt, dass die Veränderung eines Quantums sich augenblicklich auch an einem anderen mit diesem verschränkten, aber räumlich getrennten Quantum zeigt. Da beide Vorgänge völlig synchron und unabhängig von der räumlichen Distanz passieren, gibt es dafür, wie er selbst sagt, keine Erklärung. Mit „Erklärung“ meint er natürlich die normal-wissenschaftliche, lineare Identifizierung von Ursache und Wirkung. Es ist nicht erklärbar, aber experimentierbar. Lassen wir uns also nicht mit Pseudoerklärungen abspeisen, die mit dem Wort Tele anfangen, Teleportation, Telekommunikation, Telepathie usw. oder die mit einem Feldbegriff als Medium operieren. Sie sind meist noch dem linearen Denken verhaftet.

Spiritualität ist Erfahrungswissen, auf das man nur in paradoxen Formulierungen, in Geschichten oder in Kunstformen hinweisen kann. Wir fordern auch nicht in unseren Aufstellungen den Glauben an Synchronizität (Glauben Sie an das wissende Feld? Bitte hier unterschreiben. Unglaube gefährdet Ihre Gesundheit.), sondern wir rechnen mit ihrer Wirklichkeit und lassen sie so geschehen, d.h. wir experimentieren. Die notwendigen, aber nicht machbaren Folgen sind die vielen Wunder, die wir in der systemischen Aufstellungs- und Inszenierungsarbeit erleben. Oft kommen wir aus dem Staunen nicht heraus, oder es läuft uns ein Schauer nach dem anderen über den Rücken, und wir können es gar nicht fassen. Die Mystiker sagen, dass das die beiden gemäßen Reaktionen des Menschen auf die Begegnung mit dem Heiligen sind: Staunen und/oder Erschrecken, Entzücken und Schauer, Faszination und Furcht. [17] Und natürlich folgen daraus die Versuche, es zu fassen und zu bezeugen in Worten, Bildern, Bewegungen, Musik usw. Aber nicht gemäß ist es, daraus einen Gottesbeweis zu machen.

Ich möchte uns das Staunen erhalten und lege nun den vierten Bericht desselben Aufstellungsgeschehens aus der Sicht der Selbst-Repräsentantin, Ingeborg, vor. (Sie hat meinen Bericht und den der Ich-Repräsentantin gekannt.)

 

Die Verschmelzung mit dem ICH – unser gemeinsames Ankommen auf der Erde

„Sowie ich als SELBST aufgestellt war, war mir mein guter Platz,- nämlich im Mittelpunkt des Beziehungsfeldes von ICH und SELBST,- sofort bewusst. Ich ging gleich dort hin, doch da war kein ICH. Was hilft mir als SELBST meine Klarheit, wenn mein Partner, das ICH, nicht da ist. In diesem Moment war meine Selbstherrlichkeit in Frage gesellt. Schuldbewusst machte ich mich auf den Weg, um das ICH zu suchen. Das ICH wollte aber von mir nichts wissen. Nach einem Anfall von Hilflosigkeit erinnerte ich mich wieder an mein ursprüngliches Gefühl meiner Selbstsicherheit. Jetzt hatte ich den Mut, mich ohne das ICH ins Zentrum des Beziehungsfeldes zu stellen.

Ich war mir „todsicher“, dass das ICH seinen Weg zu mir selber finden wird, und so konnte ich mich hemmungslos und ungeniert auf Beziehungsspielchen mit ihm einlassen, ohne noch mit Macht- und Ohnmachtsgefühlen kämpfen zu müssen.

Vielmehr konnte ich nun in der Rolle des SELBST eine „himmlische“ Präsenz im Hier und Jetzt erleben. In dieser Rolle war ich bezüglich unseres Zusammenfindens absichtslos, weil ich eben diese Absicht des Findens selber war. Als SELBST hatte ich für das ICH unendlich viel Zeit, ich war wie in einem ewigen Jetzt. Ich war zu allem bereit, weil ich mich als die Bereitschaft selbst erlebte.

Ich bewertete weder die Handlungen des ICH noch die meinen als SELBST, weil ich mich und das ICH als den Wert schlechthin erlebte. Mein Agieren im Beziehungsfeld war von Freiheit und Unschuld geprägt, weil ich mich wie das Tun in Freiheit und Unschuld schlechthin erlebte. Es gab für mich als SELBST unendlich viele Möglichkeiten, Liebe auszudrücken – ich war wie der permanente Ausdruck von Liebe selbst. Die Verschmelzung mit dem ICH – unser gemeinsames Ankommen im Hier und Jetzt – war von meiner Seite her wohl möglich, weil ich als SELBST das unumschränkte Ja zu Grenze und Endlichkeit hatte. Wie gerne würde ich jeden Tag einmal mit mir selbst eine ICH - SELBST Aufstellung spielen.“
--Warum nicht?

 

Die auf Heimkehr gerichtete Bewegung

Nach meiner Erfahrung gibt es einen Ablauf, der in fast jeder Ich-Selbst-Aufstellung vom Ich durchlaufen wird. Das Ich muss sich scheinbar erst einmal vom Selbst abwenden und irgendwie entfernen, angefeuert durch Emotionen wie Furcht, Ärger, Scham usw. diese Phase gelangt bis zu einem äußerst Punkt, den man Umkehrpunkt nennen könnte. Anscheinend werden hier entweder Sehnsucht und Verbundenheit stärkerer als die Fliehkräfte oder vielmehr bewusster, oder die Leere, Langeweile oder Dunkelheit wird unerträglich. Im Zusammenspiel mit dem Selbst testet das Ich Freiheit und Verbundenheit. Am Umkehrpunkt ergreift das Ich mit äußerstem Mut und Entschlossenheit oder Verzweiflung seine Freiheit und entscheidet sich für die Rückkehr. Eine andere Entscheidung gibt es nicht. Das klingt paradox, aber die Alternative wäre ein weiterdriften in Ängste und Abhängigkeitsgefühle. Der Appell an die Freiheit ist eigentlich das Bewusstmachen dieser selbstzerstörerischen Bewegung, und sich ihrer bewusst werden heißt, sie beenden und umkehren.

Es folgt „die auf Heimkehr gerichtete Bewegung“, wie Martin Buber es nennt. [18] Zuerst herrscht noch das Gefühl von Mut und Risiko, von Furcht und Zittern.[19] Man schaut misstrauisch und ängstlich zum Selbst und gleich wieder weg. Das Selbst könnte sich wieder in diesen Dämon verwandeln, den man erst produziert, dann mit seinen Gedanken genährt, dann projiziert und gefürchtet hat. Man durchschaut das Spiel, aber um das Gesicht nicht zu verlieren und auch um wirklich sicher zu sein, spielt man es noch ein wenig weiter. Man schaut, man testet, man spürt in sich hinein. Das Selbst spielt oft eine zeitlang mit, aber ich habe es auch erlebt, wie es plötzlich offen provokant zum Ich sagt: „Mir ist langweilig!“ Oder sogar ultimativ: „Ich geb dir noch 10 Sekunden!“

Und irgendwann kommt dann die Phase der eindeutigen Hinbewegung. "Halb zog sie ihn, halb sank er hin." Es endet mit einem Vorgeschmack der Gleichzeitigkeit von Verschmelzung und Befreiung. Woraufhin sich beide wieder nach außen wenden. Auf ein Neues, aber jedes Mal mit etwas mehr Bewusstheit: von Verbundenheit und von gleichzeitiger Freiheit.

Dieser archetypische Ablauf findet sich in unzähligen mystischen und schamanischen Wegbeschreibungen und wird in den Ritualen vieler Traditionen nachvollzogen. Es wird auch deutlich, dass er in seinen emotionalen und körperlichen Ausformungen unendlich viele individuelle Spielarten zulässt. Das geht von Heldenreise, über Seelenrückführung oder tiefer Nacht der Seele bis Höllenfahrt.

Die Rolle des Selbst dabei ist überhaupt nicht einzuordnen bzw. vorhersehbar. Manchmal verhält es sich ruhig, freundlich-zugewandt, manchmal spielt es verrückt ganz gegen unsere Vorstellungen. Es nimmt sich oft noch mehr Freiheiten heraus als das Ich, zeigt sich als Narr oder ängstlich-abhängig oder ärgerlich-provozierend, die ganze Palette der menschlichen Persönlichkeit.

Man ist geneigt, das als Agieren zu sehen und der Person der RollenspielerIn zuzuschreiben. Es kann aber auch anders interpretiert werden: Das Selbst als Repräsentant von Leere und Bedingungslosigkeit ist die ideale Projektionsfläche für Gefühle, die das Ich gerade durchmacht. Und es stellt sich dafür freiwillig zur Verfügung, es spielt mit. Stellvertretend oder spiegelnd unterstützt es mit Gesten, Worten und Bewegungen oder mit ganzen Aktionen und Gefühlsausbrüchen die Schritte des Ich. Freundlich-erlaubend oder paradox provozierend, aber ohne Gewalt.

Wenn man das Verhalten des Selbst so sieht, braucht man als Leiter weniger einzugreifen, keine Projektionsablösungen zu vollziehen oder gar Personen auszuwechseln. Auf längere Sicht lohnt sich eine solche Zurückhaltung. Das Selbst verhält sich wie die Liebe im ersten Brief des Paulus an die Korinther (1Kor13). Es akzeptiert alles, macht alles mit, hält allem stand und fürchtet kein Unglück.

 

Wir brauchen nichts von außen, um glücklich zu sein.

Für diese Art der Aufstellungen ist es typisch, dass alle Beteiligten, sowohl Zuseher als auch Repräsentanten, als auch Leiter und selbstverständlich die ProtagonistIn sich genährt fühlen. Die Logik des Nullsummenspiels und das moderne Mangeldenken sind außer Kraft. [20]

Der grundsätzlichste aller Irrtümer von alters her ist die Glaubensvorstellung, dass Gott etwas braucht, d.h. dass Gott bzw. das Leben etwas von uns verlangt, dass wir insofern nicht wirklich frei sind. Man muss nicht an Gott glauben, um von diesem Konstrukt beeinflusst zu werden. Das Leben in Mangel, Ungenügen oder Sündenbewusstsein hat viele Namen und viele Anhänger. Der Glaube, dass wir etwas brauchen, das Anhaften in Furcht oder Begehren, entlarvte schon Buddha als den leiderzeugenden Irrtum des Menschen. Gott oder unsere tiefste Wirklichkeit hat nichts nötig. Unser Selbst braucht nichts, um glücklich zu sein. Es ist die Glückseligkeit selbst. Deshalb verlangt es von nichts und niemandem im Universum irgendetwas.

Ich habe diese Einstellung früher Ressourcenorientierung genannt. Das ist zumindest missverständlich. Wenn wir fordern, an das Gute zu glauben, statt an das Böse, dann sind wir noch auf derselben Ebene des Denkens, dann haben wir nur die Vorzeichen gewechselt. Das Böse lässt sich nicht ausrotten durch sein Gegenteil. Das Mangeldenken wird niemals behoben durch Produktion oder Konsum. Und Heilung ist nicht möglich durch Bekämpfung von Krankheit. Es geht vielmehr um einen Ebenenwechsel im Denken-Wahrnehmen. Und dieses Um-Denken-Wahrnehmen („metanoia“) geht nicht nur im Kopf vor sich, sondern ist ein ganzheitlicher Vollzug. Ich möchte hier ein paar Prinzipien für den Bereich der systemischen Aufstellungsarbeit andeuten [21]:

1.       Aufstellungsarbeit als Intuitionstraining. Die Erlaubnis für die Repräsentanten, von den semantischen Informationen wegzugehen und sich immer mehr der körperlichen Wahrnehmung in der Relation zu den anderen hinzugeben. Ich habe das leibliches Verstehen genannt [22], subtiles, nonduales, synästhetisches Handeln, Wahrnehmen und Denken [23].

2.       Unterschiede wichtiger nehmen als Inhalte. Sich weniger auf die semantischen Informationen als auf Unterschiede konzentrieren. D.h. mit Buber und Bateson die Beziehungen für wesentlicher halten als die Phänomene. Wir können verstehen, was besser ist, sagt de Shazer, ohne wissen zu müssen, was gut heißt. Semantische Aufstellungsarbeit, die sich an bestimmten wünschenswerten Qualitäten oder Ordnungen orientiert, ist nur wieder eine weitere verführerische Lösung erster Ordnung und wird zu Recht mit den autoritären Religionen und Therapien verglichen. Syntaktische, prozessorientierte Aufstellungsarbeit ist eine sinnvollere Antwort auf den Fundamentalismus und der damit einhergehenden Angst, der wir heute auf der ganzen Welt begegnen.

3.       Der Aufstellungsleiter ist nicht so sehr Leiter als vielmehr Gastgeber. Und Gastgebersein ist eine sakrale Funktion. Ich zitiere dazu Matthias Varga von Kibéd aus seinem unveröffentlichten Würzburger Vortrag (2003): „In dem Maße, wie ich Aufstellungen leite, beschädige ich den Prozess“. Als Gastgeber ist man Regisseur und Diener, Lehrer und Schüler, man ist draußen und drinnen, man ist in der Schau und verharrt im Nicht-Handeln, [24] man verlangt das Unmögliche und lässt gleichzeitig bedingungslos frei. [25]

4.        Beabsichtigen und Absichtslosigkeit. Da geht es nicht um Beliebigkeit, sondern um das Beabsichtigen und Wünschen mit aller Kraft, intensive Zielarbeit und doch dann so etwas wie das Fallenlassen der Absicht, das Vergessen des Zieles, das vertrauensvolle Abgeben einer Bestellung ans Universum. Anders ausgedrückt: Ein Bewusstsein davon haben, dass wir das Unmögliche wollen, das nicht Machbare, ein himmlisches Geschenk, und in diesem Bewusstsein alle Anstrengungen machen, es zu erreichen. "Es gibt nur zwei Dinge zu tun, das Notwendige und das Unmögliche.“ [26] Aber tue es.

5.       Ich finde erst einen guten Platz im Ganzen, wenn alle einen guten Platz haben. Diese Realisierung oder Befreiung ist nicht möglich auf Kosten der anderen. Hier wird das Mangeldenken falsifiziert. Bei der Verwirklichung einer Rolle geht es immer darum, seinen Platz im Ganzen zu finden. Seine Aufgabe für das Ganze, die wichtig ist, aber nicht alles. Alle anderen sind ebenso wichtig und zwar wirklich alle. Wir erreichen einen guten Platz im System erst, wenn alle anderen auch einen guten Platz haben. Das ist wahrzunehmen. Seine Rolle mitten unter den anderen ganz auszufüllen, das ist Vollkommenheit, das ist der Himmel.

6.       Unsere Seele dehnt sich aus, wie das Universum. „Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch“, hat Jesus gesagt. (Lk.17,21) Verwirklichung des Zukünftigen in der Gegenwart. Keine Angst, da bleibt noch immer genug Spannung und Potenzialität. Wir brauchen dem Mangeldenken nicht den kleinsten Finger zu reichen, um Entwicklung zu gewährleisten. Das Himmelreich, das seinen Namen verdient, ist in Bewegung. Unsere Seele dehnt sich aus, wie das Universum. Das ist unser Wesen. Natürlich schaffen wir dabei immer wieder Grenzen begleitet von Angst. (Wobei ich nicht sagen will, was wir zuerst erzeugen, die Grenzen oder die Angst.) Oder wir erleben die Befreiung nicht als ruhige Ausdehnung, sondern als Explosion. All das gehört dazu, zu unserer und Gottes Selbstschöpfung, zum autopoietischen Prozess des Lebens. Dem Schicksal zustimmen, die eigene Rolle ganz ausfüllen, das ist es. Ganz egal auf welcher Bühne, in welcher Szene oder in welcher Familie. Wir sind das, was wir erschaffen, schwindelerregend frei. Da gibt es keinen Dirigenten von Außen und keine vorgeschriebene oder beste Richtung. Da ist alles, was geschieht, neu. Die Selbstoffenbarung Gottes im letzten Kapitel der Bibel lautet: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb.21,5) Das ist sein Wesen. Das geht von Transformation zu Integration zu neuer Transformation, wie Ken Wilber sagt. Und das ist begleitet von beidem, von Furcht und von Freude, je nach dem Maße unserer Zustimmung.

7.       Die Ausdehnung der Seele ist ohne Ende. Es handelt sich meines Erachtens um einen unendlichen Prozess, der nicht aufhört mit der Erleuchtung oder mit dem integralen Bewusstsein. Das wäre ja wieder eine Endlösung. Aber mit integralem Bewusstsein meinen Jean Gebser und Ken Wilber wohl dies: Das bewusste Einstimmen in die nicht endende, zeit- und raum-transzendierende Ausdehnung der Schöpfung in uns und um uns. Nebenbei: Das mahayana-buddhistische Wort Shunyata, meist mit Leerheit übersetzt, bedeutet sowohl das Hohle als auch das wie ein Mutterleib Schwellende. Und auch die Wurzel des hinduistischen Wortes Brahman, die letzte allumfassende Wirklichkeit, bezeichnet das, was wächst, atmet und schwillt. (Loy S.79)

 

Die Mutter gehört ins Herz und nicht auf den Buckel.

Nach soviel Freiheit und Selbstschöpfung kommt sicher die Frage: Was ist mit den Ordnungen? Muss man sich denen nicht fügen? Begrenzen die Ordnungen, die sog. natürlichen sozialen Gesetze, auf die unser Gewissen hinweist, wenn wir sie übertreten, nicht unsere Freiheit? "Du sollst Vater und Mutter ehren“, heißt es. Tu’ das, z.B. in dem du dich vor deiner Mutter verbeugst.

Aber dann dreh dich um und sei frei. So erfüllt man das Gesetz und nicht, indem man sein Leben lang gebeugt stehen bleibt. Das nennt man Verstrickung, nicht Erfüllung; oder Geistesgestörtheit, oder einfach Dummheit. Die Mutter gehört ins Herz und nicht auf den Buckel. Das ist der ganz normale Vorgang der Ablösung, den man manchmal in einer Therapie nachvollziehen muss, nicht weil das so schön ist, sondern zur Befreiung.

Im Grunde verneigen wir uns immer vor uns SELBST, denn auch unsere Mutter-Vater-Geschichten sind vor dem Hintergrund unserer selbstschöpferischen Kräfte nichts anderes als eine Selbstinszenierung, die uns hilft immer mehr wir Selbst zu sein und zu werden. Daher geht es beim Rückgaberitual [27] in der Aufstellungsarbeit nicht wirklich um ein Zurückgeben von Schuld. - Denn wo sollen wir sie hingeben, wenn wir immer wir SELBST sind? – Es geht vielmehr bei jeder Vergebung von Schuld um mich selbst, um Loslassen und Befreiung von Schuldgefühlen und Beschuldigung. Und die wahre Befreiung tritt ein, wenn wir das erkennen.

Oft bleibt man in Aufstellungsarbeiten und Therapien viel zu lange nach hinten gewandt, wühlt detektivisch herum bis zu den Urgroßeltern und könnte sich doch längst umdrehen und die Toten ihre Toten begraben lassen. Man müsste es nur ausprobieren und schon spürt man, ob es getan ist und sich gut und kräftigend anfühlt im Rücken. Es entstehen auch in der Aufstellungs-Tradition verschiedene Süchte. Es fällt ja auch niemandem ein, ständig an der linken Seite seines älteren Bruders herumzulaufen. Die Ordnungen und Gesetze gehören erfüllt und fertig. Sie dienen der Befreiung und nicht umgekehrt. Ganz paradigmatisch konnte Jesus sagen: „Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Mk. 2, 7)

Genauso ist es mit den anderen Gegebenheiten meines Schicksals, meinem konkreten Körper, meinen psychischen und geistigen Grenzen, den positiven und negativen Gegebenheiten meiner Geschichte, dem sog. Karma. Erkenne sie an, stimme zu und wende dich den Möglichkeiten zu, die sich daraus ergeben. Es gibt nur zwei Dinge zu tun, das Notwendige und das Unmögliche.

Die Chance aller szenischen Arbeit, der Bühnenarbeit, der Aufstellungsarbeit, des Psychodramas, des therapeutischen Theaters ist, dass man handeln kann. Und diese Chance ist vertan, wenn du eine Rolle nur mechanisch vorschriftsmäßig gespielt wird, d.h. wenn nichts Neues ausprobiert wird. Zeig, dass du lebendig bist und dazugehörst. Freiheit und Hingabe gehören zusammen. Soviel zum Thema Ordnungen, Karma und Gewissen. [28] Spiritualität ist Befreiung, und systemische Therapie ist Befreiungs-Praxis, sonst lohnt sie sich nicht.

 

Therapie als Prozess des Überschreitens

Wenn systemische Aufstellungsarbeit ins Freisein vorstößt, gelangt sie an die Grenzen der Person und überschreitet sie, vom inneren Selbst bedingungslos unterstützt. Zu einer Aufstellung, die sich lohnt, gehört also das Darüberhinaus, der Prozess des Überschreitens, das Sprengen einer Behausung, das Töten eines Buddha. Dies geschieht nicht dadurch, dass wir bestimmte Instanzen wie das Selbst oder das Darüberhinaus oder ein freies Element oder die Negation des Tetralemmas ins Auge fassen, zitieren oder aufstellen. Das alles ist hilfreich, aber vor allem kommt es darauf an, dass der Leiter in der Haltung der Negation bleibt, sich mitleid- und furchtlos verweigert und so den ihm Anvertrauten alles zumutet und alles zutraut.

Davon spricht Rilke in seinem Requiem für eine Freundin:

"Denn das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:
die Freiheit eines Lieben nicht vermehren
um alle Freiheit, die man in sich aufbringt.
Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies:
einander lassen; denn dass wir uns halten,
das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen.“
[29]

 

[1] Erschienen in: Karl M. Fischer (Hg.): Die Seele ist transpersonal. Beiträge zur Transpersonalen Psychotherapie. S. 65-98 Linz (edition pro mente)

[2] Vgl. Welsch, Wolfgang (1987): Unsere Postmoderne Moderne. Berlin (Akademie-Verlag)

[3] vgl. Baker-roshi, Richard (2004): Ein korrektes Verständnis des Geistes, in: Xen 1,2004 S.12-17

[4] Ex. 20,4

[5] Loy, David (1988): Nondualität. Frankfurt/M. (Krüger) S.240

[6] Huizinga, Johan (1956) Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Reinbek (Rowohlt). Vgl. dazu Siegfried Essen (2003): Systemische Weltsicht und Bibliodrama. Schenefeld (EB-Verlag)

[7] Z.B. in: Wilber, Ken (2002): Das Wahre, Schöne, Gute. (Fischer TB-Verlag) Frankfurt/M. S.98. Die folgenden Wilber-Zitate entnehme ich: Munzer, Johann: Involution und Evolution des GEISTES und die Rolle der Archetypen. Mit Auszügen aus einem Gespräch mit Ken Wilber am 6. Juni 2002 in Denver/Colorado in: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1/2003, 72-85

[8] Günter Mattitsch (2004): Die Welt ist offen. Klagenfurt (Schreiber)

[9] Vgl. Maturana, Humberto R.; Varela, Francisco J. (1987): Der Baum der Erkenntnis. Bern/München/Wien, (Scherz)

[10] Diesen Begriff habe ich von Monika Renz: Grenzerfahrung Gott. Freiburg (Herder) (2003)

[11] Im Folgenden zitiere ich viel aus einem eigenen Vortrag, der unter dem Titel: „Den Platz im Ganzen finden“ erschienen ist in: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1/2004, S. 66-77

[12] Ich kann das hier nur andeuten. Im meinem Bibliodrama-Buch (s. Anm. 5) habe ich das Thema Authentizität und Spiel ausführlicher behandelt.

[13] Spencer-Brown, George (1997): Laws of Form / Gesetze der Form. Lübeck (Bohmeier) S.3. Systemische Aufstellungsarbeit folgt dieser Handlungsanweisung und ist also eine philosophische Übung mit therapeutischer Nebenwirkung.

[14] Essen, Siegfried (2003): Autopoietische Aufstellungsarbeit. In: Praxis der Systemaufstellung 2/2003 S.34-39

[15] „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“. (Paulus 1.Kor.15,55)

[16] Lang, Max (2004) Ist die Lehre von Gott mit der Lehre des Buddha vereinbar? in: Transpersonale Psychologie und Psychotherapie 1, 2004 S.32-44, S.40

[17] Vgl. Otto, Rudolf (1987) Das Heilige. München (Beck)

[18] Buber, Martin (1984): Das Dialogische Prinzip. Heidelberg (L. Schneider) S. 261 Vgl. auch das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk.15).

[19] Staunen und Furcht, nicht Angst, sind die beiden angemessenen emotionalen Reaktionen der Kreatur Mensch auf die unvorhersehbare Erscheinung Gottes. Fuchs, Gotthard (2003). Gottesfurcht als Geschenk? In Meditation 29/3 S.13-18

[20] Die Soziologin Marianne Gronemeyer hat in ihrem Buch: „Die Macht der Bedürfnisse“ das Knappheitsdenken als den grundsätzlichen Irrtum unserer Gesellschaft beschrieben. Gronemeyer, Marianne (2002): Die Macht der Bedürfnisse, Überfluss und Knappheit. Darmstadt (Wiss. Buchges.)

[21] Viel davon ist ausführlicher nachzulesen bei: Sparrer, Insa &Varga von Kibéd, Matthias (2000) Ganz im Gegenteil. Heidelberg (Carl-Auer-Systeme)

[22] Essen Siegfried (2002) Leibliches Verstehen. Wirkungen systemischer Inszenierungsarbeit. In: G. L. Baxa, C. Essen, A. H. Kreszmeier (Hg.): Verkörperungen. Systemische Aufstellung, Körperarbeit und Ritual. Heidelberg (Carl-Auer-Systeme), S.59 – 83

[23] Diese Aufzählung entspricht den Kapiteln 2, 3 und 4 bei Loy (1988)

[24] Wenn der Leiter sich einmischt, schafft er der gerade sich entwickelnden lebendigen und sich ausweitenden Ganzheit eine Außengrenze, einen impliziten Kontext, macht sie zum Teil. Das können die Repräsentanten als autoritär d.h. als Einschränkung oder umgekehrt als Unterstützung ihrer Einzigartigkeit und ihres darin begründeten selbstschöpferischen Wesens nehmen.

[25] In den verdeckten oder codierten Aufstellungen wird ernst genommen, was für alle Aufstellungen gilt: Die Namen der Rollen sind vorläufig, Codenamen für Energien in Bewegung, manchmal in redundanten Mustern gefangen, aber niemals per Definition zu fassen, aber mit Körper, Seele und Geist zu realisieren. Neuschöpfung.

[26] Ibn al Arabi zitiert von Matthias Varga von Kibéd, mdl.

[27] Vgl. S. Essen (1997):“Woher hab ich das nur?” Ein Rückgaberitual für die Einzeltherapie. in: G. Weber (Hg.): Praxis des Familienstellens. Heidelberg (Carl-Auer-Systeme) S 135-141

[28] Dazu ausführlicher: S. Essen (2001) Die Ordnungen und die Intuition. in: G. Weber (Hg.): Derselbe Wind lässt viele Drachen steigen. Heidelberg 98-111

[29] Rainer Maria Rilke(1962): Requiem für eine Freundin. Gesammelte Gedichte (Insel) S.410

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